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Galerie Epikur

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19.08. - 10.09. 2011.

Nicht alles was
Glitzert ist disco

Im Rahmen einer Artist in Residence-Aktion stellen 6 Kunststudenten der Bergischen Universität Werke aus.

Laura Ohlendorf, Sebastian Lenz, Sarah Pabst, Ivo Kiefer, Hendrik Kretschmar und Momo Trommer

Eröffnung am 19. August 2011, 19.30 - 21.30 Uhr

mit sechs Kunststudenten
der Bergischen Universität Wuppertal
laden wir Sie und Ihre Freunde herzlich ein.

Einführung: Kuratorin Prof. Katja Pfeiffer

 

 

 


Ivo Kiefer, o.T.
2011, Acryl auf Leinwand, 100 x 80 cm

Hendrik Kretschmer, kontraproduktive emulsion
2011, Acryl auf Leinwand, 210 x 260 cm

Laura Ohlendorf, o.T.
2011, Acryl, Lack, diverse Materialien auf Sperrholz, 140 x 120 cm

Sarah Pabst, Desaparecido
2010, Öl auf Leinwand, 160 x 180 cm

Momo Trommer, Wir werden siegen
2011, Öl auf Sperrholz, 49 x 58 cm

 

 

Das Aktstudium gehört zur Künstlerausbildung seit es Kunstakademien gibt. Ungeachtet tagesaktueller Strömungen, denen die zeitgenössische Kunst folgt, halten an jeder Kunsthochschule Aktmodelle ihre Posen, um dem Studium der menschlichen Proportionen zu dienen. Ivo Kiefer gehört zu den seltenen Studenten, die sich dieser Auseinandersetzung in aller Konsequenz stellen. Es gehört einige Standfestigkeit dazu, sich einem Thema zuzuwenden, von dem man meinen könnte, es sei nun wirklich schon in jeder erdenklichen Form dargestellt worden. Obwohl es gerade bei der menschlichen Figur so schwer ist, einen ganz eigenen und spannenden formalen Zugang zu finden, sucht Ivo Kiefer immer wieder eine unverstellte Auseinandersetzung mit diesem Thema. Dabei geht es ihm nicht darum, Geschichten zu erzählen und die Figuren zu kontextualisieren. Vielmehr vermitteln seine Arbeiten bisweilen Gefühle, wie Melancholie und Trägheit. Seine ineinander verschlungenen Akte scheinen trotz oder gerade wegen ihrer Verbundenheit handlungs- und kommunikationsunfähig. Die Körper verschmelzen miteinander und mit dem Hintergrund. Formal wird diese Dimension durch das Auflösen der Körperlichkeit zu Flächen und Linien erzeugt, so dass oft erst auf den zweiten Blick das Sujet erkennbar wird. Vom Aktmodell ausgehend entwickelt Ivo Kiefer in verschiedenen Techniken eine Malweise, die Körper und Landschaften zunächst aus der Farbe heraus entstehen lässt, um sie dann quasi in ihr untergehen zu lassen. Insbesondere die filigranen Linien erlauben es, dem Betrachter einen Blick auf den menschlichen Körper nach zu vollziehen, der unvoreingenommen nach seiner schieren Präsenz sucht.

 

 

Die Malerei von Hendrik Kretschmer bewegt sich zwischen präziser Figuration und Abstraktion. Oberflächen sind für ihn dabei von größtem Interesse. Eine Kombination aus unkontrolliertem und kontrolliertem "Schütten" verschiedenster Materialien führt Lacke, Öle, Farben und Wasser auf einem Bildgrund zusammen. Der Trocknungsprozess verrät erst nach mehreren Tagen, was aus entstanden ist. Ein wichtiger Aspekt bei dieser Vorgehensweise ist das Zulassen des Zufalls und somit das Akzeptieren der entstehenden Farbflächen als Grundlage für das weitere Arbeiten.
Im inhaltlichen Fokus der Arbeit steht eine intensive Auseinandersetzung mit gebautem Raum. Utopische, absurde und verschachtelte Architekturkonstellationen dienen der Inspiration, inzwischen kommen auch Aufnahmen aus Google Earth hinzu. Die architektonischen Fundstücke werden collage-artig zu neuen Konstrukten verschmolzen. Die Collage erlaubt dabei die Verlassenheit der unbesiedelten Orte deutlich zu überspitzen. Hendrik Kretschmer teilt damit das uralte Interesse der Menschen für Ruinen, die Faszination für etwas, was einst genutzt und nun verfallen nur noch um seiner Selbst Willen existiert. Die höchst präzise gesetzten Häuserfronten stehen im Gegensatz zu dem nahezu unkontrollierten Hintergrund. Besonders dieser scheinbare Widerspruch zwischen der enorm geplanten, rechtwinkligen und fast grafischen Ausarbeitung der Häuserfronten und dem Verlassen- und Verfallensein der verschachtelten Ruinen vor dem nicht eindeutig zu verortenden Hintergrund wirkt dabei auf den Betrachter gleichzeitig interessant und beunruhigend.

 

Sein Interesse an der Natur mit all ihren ungenormten, vielfältigen und vielfarbigen Lebewesen und Dingen beschäftigt Sebastian Lenz sowohl in seinem Biologiestudium als auch in der Kunst. Mit einem forschenden Blick untersucht er besonders die Details seiner Umgebung, zum Beispiel die feinen Unterschiede in Bewegungsabläufen, Licht- und Schattenverteilungen, Materialitäten und Oberflächen. Als Malvorlagen dienen ihm neben Realien selbst erstellte Fotografien, die eher beiläufig, wenn auch thematisch gezielt gemacht werden. Dabei ist es ihm wichtig, die Beobachtungen und Erfahrungen aus erster Hand zu haben und an einem Ort selbst ein Gespür für dessen Gesamtatmosphäre zu bekommen. Seiner Themenwahl im Bereich der Tier-, Landschafts- und Stilllebenmalerei, seien es Kühe, Hunde, Schlüssel, Brillen oder Plunderteilchen liegen ganz offensichtlich weniger verbindende inhaltliche Fragen zugrunde, vielmehr sucht Sebastian Lenz seine Motive nach deren malerischer Qualität aus. Das Motiv ist, was es ist ­ im Idealfall eine malerische Herausforderung. Diese pariert er in einer mal pastosen, mal flüssigen Malweise mit einem einerseits schnellen und lockeren und gleichzeitig kräftigen und markigen Duktus. Je kontrastreicher und farbstärker das Motiv, um so lieber nimmt er es damit auf. Die Bilder werden oft in einem Schwung gemalt, jeder der virtuosen Pinselstriche zeugt dabei von konzentrierter Beobachtung und präzisen Farb- und Formentscheidungen. Auf diese Weise wird auch der Blick des Betrachters zurück auf die kleinen Dinge gelenkt, den Glanz einer glasierten Frucht oder den Schatten einer Hundeleine ­ das mögen zwar Details sein, aber auch in diesen lassen sich, wie Sebastian Lenz vorführt, mit der richtigen Aufmerksamkeit ganz universale Wahrheiten finden.

 

 

Im Vergleich zu wissenschaftlichen Sammlungen, sind Sammlungen von Künstlern gerade durch die völlig subjektive Festlegung ihrer Auswahlkriterien interessant. Letztlich kann das alles sein, was den Weg ins Atelier findet und dort als Inspirationsquelle Anlass zu einer Arbeit wird. Laura Ohlendorf hat im Laufe ihres Studiums eine Sammlung angelegt, die sowohl in Form von Vorlagen als auch als Material den Fundus für ihre Arbeiten darstellt. Ihre Inspirationsquellen stammen aus Haushaltsauflösungen, vom Flohmarkt oder vom Sperrmüll. Manche Materialien ersteigert sie bei Ebay, wo sie auf gemischte Fotokisten bietet und ein Sammelsurium von Privataufnahmen fremder Leute erhält, in deren Leben sie plötzlich eintaucht. Die typischen Familienfotos, wie sie jeder kennt und aus früheren Generationen geerbt hat, erscheinen ihr besonders interessant. Sie bewahrt diese Fragmente im Moment ihres Verschwindens als Vorlagen für ihre Bilder.
Über den inhaltlichen Vergangenheitsbezug hinaus liegen ihren Arbeiten auch ganz physisch ausrangierte Materialien zugrunde, denen Laura Ohlendorf neuen Wert verleiht, indem sie diese durch ihre Verarbeitung zur Collage vor dem Vergessen rettet. Ihre Bildträger wie Linoleum Böden oder alte Tischdecken erzählen für sich genommen schon Bruchstücke vergangener Geschichten. Sie schafft damit ein interessantes Verhältnis zwischen dem gebrauchten Material und den gebrauchten Bildern, denn obgleich sie die Dinge vor dem Vergessen bewahrt, bleibt deren ursprüngliche Wertlosigkeit noch sichtbar. Auf dem gebrauchten Linoleumboden erscheint das Leben, das auf ihm stattgefunden haben könnte, wie die Projektion einer inzwischen ganz immateriell gewordenen Familienerzählung.

 

 

In dieser Ausstellung, in der es ja vor allem um Malerei geht kann nur ein Ausschnitt des künstlerischen Schaffens von Sarah Pabst gezeigt werden. Die von ihr gemalten Bilder verweisen auf ihre zweite große Begabung ­ die Fotografie. Auf ihren Reisen hat sie sich an Orte gewagt, an die sich sonst nur gestandene Pressefotografen trauen. Anschließend kam sie zurück nach Deutschland mit Fotos von schwer bewaffneten Jungkriminellen aus südamerikanischen Ghettos, von ebenso schwer bewaffneten, ebenso jungen israelischen Militärs, mit eindringlichen Bildern aus dem mühseligen Leben bolivianischer Frauen und vielen weiteren tief berührenden Aufnahmen. Unerschrocken sucht sie die Schauplätze menschlicher Tragödien auf und übersieht dennoch nicht die Ambivalenz dieser Szenarien zwischen Hoffnung und Vergänglichkeit.
Manche dieser Eindrücke setzt sie in Malereien um, in denen, im Gegensatz zu ihren Fotografien jedoch jede menschliche Figur fehlt. Hier wird der Mensch nur durch den ihn umgebenden Raum wahrnehmbar. In ihrer Malerei geht es Sarah Pabst um die verbliebenen Spuren in verlassenen oder verfallenen Räumen, die doch stets, etwa durch einfallendes Licht, eine Verbindung zu einer im Verborgenen bleibenden Außenwelt haben. Ihre Arbeiten eröffnen dem Betrachter einen Blick in die Stille und Geschlossenheit privater Räume, die dazu einladen, in der Phantasie mit denjenigen bevölkert zu werden, die sie so hinterlassen haben könnten. Die scheinbare Anonymität und das Geheimnis dieser Orte lädt dazu ein, sich vorzustellen, was hier stattgefunden hat oder noch stattfinden könnte und so entwickeln die Schattenplätze und Lichtöffnungen ein Eigenleben, das sich einer finalen Deutung stets entzieht, um gleichzeitig die Neugier des Betrachters wach zu halten.

 

 

Darstellungen in denen Menschen Hundeschnauzen in den Mund nehmen und Tiere stillen, also annähernd sodomistische Handlungen am Tier begehen, gehören heute zu den wenigen Bildbereichen, die noch weitgehend tabuisiert sind. Während den zeitgenössischen Betrachter beim Blick auf andere einstige Tabubrüche schon eine gelangweilte Gewöhnung ergreift, zuckt er angesichts solcher Bilder noch zusammen, selbst wenn die Geste an sich durchaus liebevoll gemeint erscheint.
Die Szenarien in der Malerei von Momo Trommer rufen ebensolche ambivalenten Reaktionen hervor und sollen auch genau dies tun. Sie sucht in ihren Bildentwürfen seltsame und ungeklärte Situationen zwischen dem Menschen und seinem sprachlosen Gegenüber, dem Tier, womit sie immer auch auf ein latentes Machtgefüge verweist. Durch ein subtiles Ausbalancieren dieser Machtverhältnisse versucht sie, eine möglichst perfekte Ambivalenz zu erzielen. Die Bildgegenstände und ihre Bearbeitung heben sich gegenseitig auf, so dass die Arbeiten formal wie inhaltlich zwischen einer kitschigen Zuckerwattewelt und einer unterschwelligen Bedrohung changieren. Rosa, Pink und Lilatöne werden aggressiv mit dem Spachtel ab- und zerkratzt, feinfühlige naturalistische Malerei steht drastischer Farbwahl entgegen und die weichen Formen niedlicher Tierchen kontrastieren mit massiven kantigen Architekturen. Auch die Größenverhältnisse und die Anzahl der Figuren sorgen für eine unentschiedene Kräfteverteilung. Es entstehen teils irritierende Bilder, auf die der Betrachter sowohl mit Verständnis und Wiedererkennen, als auch mit Unverständnis und Ekel reagiert. Die Identifikation gelingt indes so gut, da Momo Trommer Figuren erschafft, die zwar zu detailliert sind, um abstrakt zu sein, aber dennoch allgemein genug erscheinen, um bedeutungsoffen zu bleiben.

 

 

Sebastian Lenz

1982 geboren in Bonn
2002 bis 2005 Schreinerlehre in Brühl
Abschluss als Innungsbester
Erster Platz auf Kreisebene und Belobigung auf Landesebene im Gestaltungswettbewerb "Die gute Form"
2005 bis 2007 Anstellung als Schreinergeselle
seit 2007 Studium Kunst und Biologie an der BUW

 

Hendrik Kretschmer

1986 geboren in Werl
2002 bis 2005 Ausbildung zum GTA
2006 bis 2007 freiwilliges soziales Jahr in Malaysia
seit 2007 Studium Kunst und Gestaltungstechnik/Mediendesign an der BUW

 

Momo Trommer

1983 geboren in Marburg
2005-2007 Ausbildung zur GTA
seit 2007 Studium Kunst und Gestaltungstechnik/Mediendesign an der BUW
2011 Stella Baum Preis der BUW

 

Laura Ohlendorf

1985 geboren in Datteln
2001
bis 2004 Ausbildung zur GTA
2005 Europäische Sommerakademie, Trier
seit 2005 Studium Kunst und Mathematik an der BUW
2009 LOKart, Erkrath, Erhalt des Jurypreises
2010 LOKart, Erkrath, Erhalt des Publikumsprei-ses
2011
Gruppenausstellung in der Schwarzbachgalerie, Wuppertal

 

Sarah Pabst

1984 geboren in Engelskirchen
2003 bis 2011 Studium Kunst und Spanisch an der Universität zu Köln und der BUW
zahlreiche Auslandsaufenthalte mit Schwerpunkt Lateinamerika
2009 bis 2010 Stipendiatin in Bolivien zur Anfertigung der künstlerisch-praktischen Examensarbeit
drei Mal nominiert für den Canon Profifoto För-derpreis

 

Ivo Kiefer

geboren 1986 in Wuppertal
seit 2008 Studium Kunst und Mediendesign an der BUW
2011 Gruppenausstellung in der Schwarzbach-galerie, Wuppertal

 

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