german galleries / index cities / index galleries / index artists / index Hagen
Karl Ernst Osthaus-Museum der Stadt HagenHochstraße 73
58042 Hagen
Tel. 02331 - 207 31 38 Fax 02331 - 207 31 31
Di - So 11 - 18 Uhr, Do 11 - 20 Uhr
keom@platon.ha.eunet.de
http://www.keom.de
aktuelle Ausstellung / current exhibition
vorausgegangene Ausstellung / previous exhibition
25.4. - 26.7. 1998
Art Games
Die Schachteln der Fluxuskünstler
In Kooperation mit der Staatsgalerie Stuttgart
Das 1981 von der Staatsgalerie Stuttgart erworbene Archiv Sohm beherbergt in weltweit einzigartiger Dichte Dokumente intermediärer Kunstphänomene wie Happening, Fluxus, Wiener Aktionismus, Konkrete Poesie, Undergroundliteratur und zahlreiche Künstlerbücher. Diese authentischen Zeugnisse der internationalen Gegenkultur der 60er und 70er Jahre, die sich der radikalen Hinterfragung herkömmlicher Kunstgattungen verschrieben hatte, wurden mit Akribie und ständig wachsender Kennerschaft von Hanns Sohm seit Anfang der 60er Jahre zusammengetragen.
In der Ausstellung Art Games - Die Schachteln der Fluxuskünstler, die vom Archiv Sohan / Staatsgalerie Stuttgart erarbeitet wurde, zeigen wir aus den reichhaltigen Beständen des Archivs 227 im Umfeld von Fluxus konzipierte Schachteln, Dosen und Rollen, die durch begleitende Drucksachen und Plakate ergänzt werden.
Fluxus war heterogen und ist bis heute schwer abgrenzbar geblieben. Die Wurzeln sind vor allem in der experimentelien Musik zu suchen, seine Manifestationen lagen vorwiegend im aktionistischen Bereich. Als kleinster gemeinsamer Nenner ist die Neubewertung von Alltagshandlungen unter Bezugnahme auf Duchamp und Cage hervorzuheben. Die meist als Multiples konzipierten, mit gewöhnlichen Gegenständen und lapidaren Handlungsanweisungen gefüllten Behältnisse rufen daher in erster Linie zum interaktiven Gebrauch auf und spielen mit der enttäuschten Erwartung desjenigen Kunstrezipienten, der auf Kostbarkeiten und passiv Anzuschauendes geeicht ist. Als Empfänger wurde ein Mitspieler erhofft, der sich mit kindlichem Ernst und gelassener Unvoreingenommenheit in ungewohnte Spielregeln zu vertiefen bereit ist: schließlich handelt es sich bei Fluxus um die einzige Kunstrichtung, die laut ihres Namensgebers George Maciunas, "wahre Kunst-Spiele" ("true art games") ersonnen hat. Im Zentrum der Auswahl stehen die seit 1963 von Maciunas in der von ihm gegründeten Fluxus Edition in New York - anfangs auch in Deutschland - hergestellten Schachteln mit ihrem unverwechselbaren, von ihm selbst entworfenen Erscheinungsbild. Als Ideengeber fungierten junge Künstler, die lachend Kunst und Leben als Experimentierfeld bar jeder festgeschriebenen Regel betrachten: Ay- O, George Brecht, Robert Filliou, Joe Jones, Per Kirkeby, Milan Knizak, Alison Knowles, Shigeko Kubota, Claes Oldenburg, Yoko Ono, Nam June Paik, Benjamin Patterson, Takako Saito, Mieko Shiomi, Daniel Spoerri, Ben Vautier, Robart Watts, La Monte Young. Besonders George Brechts "Events" (kurze Anweisungen und Feststellungen von Vorgängen, die auf Kärtchen gedruckt in die berühmten "Water Yam"-Schachteln wanderten) galten Maciunas als "stilbildend" für Fluxus. Der Betrachter kann sich de facto oder nur mental einklinken, wichtig ist allein die veränderte Wahrnehmung. Die oft beschworene Vorreiterrolle von Fluxus für die Concept Art wird hier besonders greifbar.
Zur Ausstellung liegt ein ausführlicher Katalog des Archivs Sohm vor.
Dr. Michael Fehr
Direktor, Karl Ernst Osthaus-Museum