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Kunsthalle Erfurtim Haus zum Roten Ochsen
Fischmarkt 7
99084 Erfurt
Tel. 0361 - 65 55 660, Fax -669
Di. So. 1118 Uhr, Do. 1122 Uhr
www.kunsthalle-erfurt.de
vorausgegangene Ausstellung / previous exhibition
22.06. - 03.08. 2008
Im Doppelpack: Beate Debus & Horst Schäfer
Skulpturen, Zeichnungen, Druckgrafiken und Fotografien
Im Zentrum der Kunst von Beate Debus (*1957) steht das Hindeuten der bildhauerischen Form auf die menschliche Existenz: über die anschauliche Evokation bestimmter Haltungen und Gesten im Holz, die auf den Menschen, auf sein In-der-Welt- und Im-Raum-Sein verweisen. Zugleich wirken ihre Arbeiten sinnlich-direkt über das Erleben des Materials. Das Hölzerne bestimmt den Charakter der Formung. Erst davon abgeleitet im Sinne der Einfühlung in bestimmte Bewegungsvorstellungen, die ihre Figuren evozieren erschließt sich assoziativ und im Analogieverfahren die Dimension des Menschlichen. Im Rahmen unserer Ausstellungsreihe "Im Doppelpack" hat die im thüringischen Oberalba arbeitende Künstlerin den Fotografen Horst Schäfer (*1932) eingeladen, mit ihr einen künstlerischen Dialog zu führen. Schäfer, der seine fotografische Laufbahn in Düsseldorf begann, 1961 in die USA ging und seit 1981 in Nürnberg lebt, gehört zu den international renommierten Fotografen der Bundesrepublik. Er arbeitete als Bildjournalist für Agenturen wie AP und Agence France Press und Zeitschriften wie das Time Magazine. Seine Sujets findet er in der Architektur, in den Städten, den darin lebenden Menschen und in der Natur, wobei ihn die Wirkungen des Lichts auf die Ausbildung visueller Strukturen und unsere Raumwahrnehmung zeitlebens faszinierten. Charakteristisch für sein ausschließlich in Schwarzweiß gehaltenes uvre sind Motive wie Spiegelungen, Licht-Schatten-Spiele und Silhouetten sowie ein ausgeprägter Sinn für die grafische Verdichtung von Strukturen, für die Verstärkung von Hell-Dunkel-Kontrasten. "Erst Licht öffnet den Raum", sagt Horst Schäfer, und eröffnet damit ein thematisches Feld, auf das zu reagieren der Raumbildnerin Beate Debus nicht schwerfallen wird.
28.09. - 23.11. 2008
Multimedial-szenografische Raumbilder
Ausstellung anlässlich des 200. Jahrestages des Erfurter Fürstenkongresses 1808
Der Erfurter Fürstenkongress als frühes Gipfeltreffen der Mächtigen der Welt kann als paradigmatisch für alle späteren Gipfeltreffen gelten, erst recht im Medienzeitalter: Es wird zwar (auch) verhandelt, vor allem jedoch repräsentiert. Gipfeltreffen dienen der Inszenierung und Zurschaustellung von wirtschaftlicher und politischer Bedeutsamkeit. Die Metapher der Bühne traf die Situation 1808 und trifft sie noch heute. Die Ausstellung nähert sich dem historischen Ereignis und dem Thema Gipfeltreffen sowohl künstlerisch-assoziativ als auch historische Quellen zitierend mit der Verwandlung von Räumen in szenografisch-mediale Environments, die auf Gedächtnisinhalte, auf mentale Bilder verweisen. David Mannstein (*1958) wurde eingeladen, als Künstler-Kurator diese Verwandlung zu bewirken, dafür Ideen zu entwickeln, Material zu sammeln und bildhaft zu interpretieren, was auch heißt, weitere Künstler mit ihren Projekten einzubeziehen. Die Materialgrundlage bilden historische und zeitgenössische Porträts, Bild-, Text- und akustische Dokumente aus der Welt der Repräsentation von politischen Gipfeltreffen zwischen 1808 (Erfurter Fürstenkongress) und 2007 (G 8-Gipfeltreffen in Heiligendamm), wobei den hier gezeigten Akteuren andere gesellschaftliche Gruppen mit ihren eigenen Repräsentationsbedürfnissen kontrastiv entgegen gestellt werden. Implizit wird die heute aktuelle Frage nach Form, Wirkungsweise und Sinn von gesellschaftlicher Repräsentation gestellt: Wie stellen sich Personen und Ereignisse den Zeitgenossen dar, wie werden sie in einprägsame Text- und Bildformeln übersetzt, die als Gedächtnisinhalte bestimmen werden, was wir Geschichtsbewusstsein nennen?
07.12. - 01.02. 2009Thomas Hoepker
Photographien 1955 2005
Thomas Hoepker, geboren 1936 in München, gehört zu den bedeutendsten Bildjournalisten unserer Zeit. Seine Bilder des jungen Boxweltmeisters Muhammad Ali sind weltberühmt; die Porträts von Willy Brandt, die Reportagen aus der DDR der 1970er Jahre sowie die Fotografien vom 11. September in New York fanden international große Beachtung. Thomas Hoepkers internationale Karriere begann in den frühen 1960er Jahren mit Veröffentlichungen in Magazinen wie "Kristall", "Twen" und schließlich dem "Stern", für den er lange Zeit als Reporter und Korrespondent tätig war. Später prägte er das Erscheinungsbild des Magazins GEO entscheidend mit und veröffentlichte über 20 Fotobücher, deren Inhalte zumeist auf Auftragsreportagen für Illustrierte zurückgehen. Seit 1989 ist er Mitglied von "Magnum Photos" und war von 2001 bis 2006 Präsident dieser internationalen Fotografen-Kooperative. Seine Arbeit führte den seit Ende der 1970er Jahre in New York lebenden Fotografen an zahlreiche Schauplätze des Weltgeschehens. Egal, ob er auf seinen Reisen soziale und politische Verhältnisse dokumentiert oder Momente des Alltags einfängt, stets zeugen Hoepkers Bilder von einem großen Einfühlungsvermögen wie auch von seiner visuellen Begabung und seinem Formbewusstsein. Dabei hat er sich stets als Auftragsfotograf verstanden, arbeitet dokumentarisch und betont die Wichtigkeit einer authentischen Annäherung an das wirkliche Geschehen den Zeugnischarakter der Fotografie. Dass diese fotografische Zeugenschaft jedoch stets von einem subjektiven und weltanschaulichen Standpunkt aus praktiziert wird, gilt ihm als ausgemacht und bestimmt die emotional fesselnde Wirkung seiner Bilder ganz wesentlich. Die von dem Münchner Fotospezialisten Ulrich Pohlmann in enger Zusammenarbeit mit Thomas Hoepker konzipierte Ausstellung umfasst 230 Abzüge aus fünf Jahrzehnten.
26.06. - 03.08. 2008
Karien Vervoort
Plastiken und Zeichnungen
In einer Zeit, in der Architekten ihre Bauwerke als Großraumskulpturen konzipieren, ist es nur zu verständlich, wenn auch Künstler ihre Skulpturen tektonisch konstruieren, anstatt sie durch die tradierten Formen des An- oder Abtragens von Material in die rechte Form zu bringen. Schon Künstler wie Wladimir Tatlin oder Naum Gabo leiteten ihre Ideen aus der zeitgenössischen Architektur ab, und im Umfeld von Dadaismus und Surrealismus fügte die Objekt-Kunst der Plastik neue Ausdrucksformen hinzu. Die Bildhauerin Karien Vervoort, 1961 in den Niederlanden geboren und Mitte der 1990er Jahre über Berlin nach Thüringen gekommen, folgt in ihrer Arbeit dieser modernen Tradition, den Raum künstlerisch zu interpretieren. Sie entwarf streng geometrische Formen über Grundrissen oder verschachtelte sie ineinander zu komplexen räumlichen Gebilden, die an Modelle für Gebäude oder Monumente erinnern. Aber auch Möbelformen oder andere Gebrauchgegenstände wurden zitiert. Einige dieser Arbeiten nannte sie "Denkmodell" als müsste sie wie eine Architektin binnenräumliche Verhältnisse anhand eines Modells klären. Doch lassen sich diese Modelle als Komposita geometrischer Grundformen nur äußerlich erleben und mit anderen Formen vergleichen. So ähnlich ersinnt, nach Platon, der Weltgeist seine Schöpfung, die fünf Elemente, wobei der Dodekaeder die komplexeste Form, den Geist bzw. die Quintessenz (ab-)bildet. Prinzipien des Bauens wie Addition, Durchdringung, Verzerrung, Spiegelung etc. wendet Karien Vervoort auf unterschiedliche Objekte an, manche wirken wie rätselhafte Design-Entwürfe. In ihrer jüngsten Arbeit interpretiert sie das Ich als Polyeder ein Behältnis mit sinnlicher Benutzeroberfläche und partieller Durchfensterung und eine Reminiszenz an den paradoxen Witz, wie ihn René Magritte zeitlebens praktizierte.
10.08. - 14.09.08Peter Dreher: Tag um Tag guter Tag
Malereien
Im Jahr 1972 malte Peter Dreher (*1932) ein kleines Gemälde von einem Glas, zunächst als Einzelbild. Seit 1974 entstehen jedes Jahr mindestens 50, maximal 99 Bilder, die ein leeres Wasserglas auf weißer Tischfläche vor weißem Hintergrund zeigen. Das gemalte Motiv erscheint in natürlicher Größe im Bild. Die äußeren Verhältnisse wie Beleuchtung, Entfernung und Bildformat bleiben unverändert, wobei sich zwei Gruppen bildeten: das Glas bei Tag und das Glas bei Nacht. Sein Opus Magnum nannte der Künstler in Übersetzung eines bekannten zenbuddhistischen Spruchs "Tag um Tag guter Tag". Daneben entstehen weitere Gruppen von Bildern, oft seriell zueinander geordnet: Landschaften, See- und Blumenstücke, Interieurs, Puppen- und Totenköpfe, seit 2000 auch eine Gruppe mit dem Titel "Lange Kurzblicke" als Übermalung alter, fragwürdig gewordener Bilder mit den Fragmenten alltäglicher Motive. Von Edmund Husserl entlehnte Dreher den Begriff der Phänomenologischen Reduktion als besondere Form der Erkenntnis: Erst nach Ausschaltung sämtlicher mentaler und emotional-wertender Setzungen erscheint dem Wahrnehmenden die Welt in ihrem So-Sein. Die Malerei von Peter Dreher überrascht durch ihre illusionistische und Identifikation stiftende Nähe zum gemalten Sujet, die doch zugleich in der Serie auch abstrakt wirkt, wie reine Malerei, die ihren Gegenstandsbezug nicht thematisiert. Der Künstler erklärt diese ambivalente Wirkung indirekt in einer Bemerkung über zeitgemäße Malerei: "Immer wieder beobachten, erleben, malen, als sähe man die Welt zum ersten Male. Stillstand, Leere, Freiheit emotionsloser Gleich-Gültigkeit; spiegelreine, interesselose Zweckfreiheit, ohne das Ziel ästhetischer Vollendung." Die Kunsthalle Erfurt präsentiert das Werk des langjährig an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe lehrenden und heute bei Freiburg lebenden Malers erstmals umfassend in den neuen Bundesländern.