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Staatliche Kunsthalle Karlsruhe

Hans-Thoma-Straße 2
76133 Karlsruhe
Tel. 0721 - 926 31 88; Fax 0721 - 926 67 88
E-mail: info@kunsthalle-karlsruhe.de
Di - So 11 - 18 Uhr, Mittwoch 11 - 20 Uhr
http://www.kunsthalle-karlsruhe.de/
vorausgegangene Ausstellung / previous exhibition

 

 

18.9. - 21.11.1999


Wilhelm Busch

Malerei - Zeichnungen - Bildergeschichten

 

 

Wilhelm Busch, "Ganz vom Kuchenteig umhüllt - Stehen sie da als Jammerbild"
Max und Moritz, 6. Streich
Aus: Max und Moritz (1865)

 

Das Meisterwerk und der Comic

Lange Zeit galt Wilhelm Busch nicht nur als Erfinder der Bildergeschichten, sondern wurde gleichsam zu deren Synonym. Das Bildergeschichtenwerk ist im deutschsprachigen Raum seit vielen Generationen fester Bestandteil literarisch-bildnerischer Sozialisation, vor allem natürlich das Werk Max und Moritz, welches in über vierzig Übersetzungen weltweit reüssieren konnte. Doch erstmals wird nun in Karlsruhe das bildnerische Gesamtwerk Wilhelm Buschs in allen Facetten exemplarisch der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Präsentation umfaßt siebzehn Folgen originaler Bildergeschichten sowie fünfzig Zeichnungen nach der Natur und fünfzig Gemälde, zudem die gedruckten Bildergeschichten.

Erst seit knapp zwanzig Jahren wird Wilhelm Busch auch als veritabler bildender Künstler zur Kenntnis genommen, der in Antwerpen und München Malerei studiert hatte. Verantwortlich für diese Verspätung ist nicht nur der schon zu seinen Lebzeiten enorme Erfolg seiner Bildergeschichten, sondern auch Busch selbst, der sein malerisches Werk als "kleine Chosen" bezeichnete und konsequent vor der Öffentlichkeit verbarg. Weit über eintausend Gemälde und zweitausend Zeichnungen zeigen, daß der vielfachbegabte Wilhelm Busch, der auch ein umfangreiches literarisches Werk geschaffen hat, sich immer auch als Maler verstand. Das zeichnerische und malerische OEuvre entstand indes allein "zum Selbstplaisir", wie Busch in seinem autobiographischen Text Was mich betrifft 1886 schrieb.

Wohl mit Erstaunen hätte Wilhelm Busch deshalb auch das gegenwärtige Interesse an seinem bildnerischen Werk verfolgt. Gewiß hätte er nicht erwartet, daß man knapp 90 Jahre nach seinem Tod sein Lebenswerk in retrospektiver Weise einer breiten Öffentlichkeit präsentiert.

Mit den Bildergeschichten schuf Busch nicht nur ein neues Bildgenre, sondern ein neues Bild-Text-Verhältnis, bei dem das Bild Vorrang hat. Die Verbindung erzählender Bildserien mit "launigen" Versen erzeugt einen unwiderstehlichen Reiz des Wechsels von Betrachtung und Lektüre. Buschs Bildergeschichten gelten zu Recht als Vorläufer des modernen Comics.

Wilhelm Busch hat drei bildnerische Diskurse parallel entwickelt. Starke Impulse erhielt er besonders in seinen Genreszenen von niederländischen Malern des 17. Jahrhunderts. Dort war die Hauptgrundlage seines Schaffens in allen Themenbereichen das zeichnerische und malerische Naturstudium. Dabei ignorierte er die traditionelle Rangordnung der Bildgattungen des 19. Jahrhunderts.

Wurde die Modernität der Bildergeschichten sehr früh erkannt, so dauerte es Jahrzehnte, bis das zeichnerische und malerische Werk jene Anerkennung erfuhr, die ihm sowohl im Rückblick als auch im zeitgenössischen Kontext gebührt. Gerade seine Bleistift-, Tusch- und Aquarellarbeiten galten sehr lange als Anhängsel seiner Bildergeschichten, gewissermaßen als deren Übungsterrain, doch ist ihnen eine experimentelle Haltung eigen, indem sie - ganz im Gegensatz zu den treffsicheren Kürzeln der Bildergeschichten - von einem konturierenden, scharfen Strich zugunsten eines malerisch weichen Duktus abrücken.

Wurzelte das malerische Frühwerk in traditionellen Sichtweisen im Geiste von Frans Hals, Peter Paul Rubens und Jan van Goyen, gelang Wilhelm Busch in den späten achtziger und frühen neunziger Jahren ein erstaunlicher Aufbruch zur Moderne hin. Besonders nach dem Abbruch seines zeichnerischen Schaffens gewinnt das malerische Werk eine Brisanz, welche in der Verdichtung und Dynamisierung auf die Formauflösung der frühen Moderne vorausweist. So ist es rückblickend nicht überraschend, daß etwa Paul Klee 1908 Wilhelm Busch als einen "wohl orientierten Europäer" und August Macke ihn 1912 gar als den "ersten Futuristen" bezeichnete.

Der Katalog umfaßt 208 Seiten mit 100 farbigen und 90 schwarzweißen Abbildungen und enthält Aufsätze von Carl Aigner, Siegmar Holsten, Hans Ries und Torkild Hinrichsen. Er ist an der Kasse für DM 38,-- erhältlich.

Die in der Ausstellung gezeigte Audiovision der Bildergeschichten "Max und Moritz", "Plisch und Plum", "Balduin Bählmann" und "Maler Klecksel" ist als Videoband für ca. DM 25,- an der Kasse erhältlich.

Eintritt: DM 8,- / erm. DM 5,- / Schüler DM 3,- inkl. Sammlung

Eröffnung am 17.9.1999, 17 Uhr

 

 

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