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Staatliche Kunsthalle Karlsruhe
Hans-Thoma-Straße 2
76133 Karlsruhe
Tel. 0721 - 926 31 88; Fax 0721 - 926 67 88
E-mail: info@kunsthalle-karlsruhe.de
Di - So 11 - 18 Uhr, Mittwoch 11 - 20 Uhr
www.kunsthalle-karlsruhe.de
vorausgegangene Ausstellung / previous exhibition
12.07. - 28.09. 2008
Gotthard Graubner - Radierungen
Gotthard Graubner gehört zu den bedeutendsten deutschen Künstlern des 20. Jahrhunderts. Der 1930 in Erlbach im Vogtland geborene Künstler, der im Jahr 1968 an der documenta 4 und 1977 an der documenta 6 teilnahm, und Deutschland 1982 auf der Biennale in Venedig vertrat, wurde durch seine konsequent entwickelten "Kissenbilder" und "Farbraumkörper" international bekannt. Zentrales Thema seines Werks ist die forschende Auseinandersetzung mit Farbe und ihren Raum und Atmosphäre schaffenden Wirkungen. Farbe verwandelt sich nach der Auffassung des Künstlers in einen atmenden Organismus. Er fasst dies in die Formel: "Farbe = Verdichtung zum Organismus = Malerei".
Parallel zu seinen Gemälden entstanden seit frühester Zeit Arbeiten auf Papier. Graubners Aquarelle präsentierte die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe im Jahr 2001. Nun widmet sie seiner Druckgrafik eine umfassende Werkschau, die dadurch ihren besonderen Stellenwert erhält, dass die Kunsthalle über den derzeit umfassendsten Bestand an Unikat-Radierungen des Künstlers in einer öffentlichen Sammlung verfügt. Die 185 Blätter wurden im Jahr 2003 und 2007 für das Kupferstichkabinett angekauft und werden nun erstmals in einer Auswahl präsentiert. Diese Schau war für den Künstler ein Anlass, der Kunsthalle weitere 51 Blätter zu schenken.
Dass der Maler Gotthard Graubner sich seit 1969 kontinuierlich mit der Radierung befasst, mag auf den ersten Blick überraschen, da es sich bei diesem Medium um eine Gattung handelt, die primär aus der Linie hervorgeht. Graubners Radierungen hingegen operieren wesentlich mit flächig eingesetzter Farbe, deren Schichtungen durch den Druck von mehreren Platten Räumlichkeit erzeugen. Dazu dienen ihm neben der Ätzradierung die Drucktechniken Aquatinta und Vernis mou ein Weichgrundverfahren, das besonders malerisches Arbeiten erlaubt. Indem der Künstler seine Platten jeweils variierend einfärbt, entstehen Unikat-Radierungen. Graubner versteht seine Kunst als Prozess und experimentiert fortgesetzt mit verschiedenen Farbklängen, die mitunter zu subtil differenzierten Serien von Monoprints führen.
Neben der Erscheinung der Farbe spielt die Ästhetik des Papiers für den Künstler eine zentrale Rolle: Graubner bearbeitet seine Platten mit Pinsel und Stoffballen und druckt auf ausgewählten Bütten- und Japanpapieren.
Die Ausstellung präsentiert die verschiedenen Werkgruppen seit 1969 in chronologischer Folge bis heute. Zu Beginn des uvres dominieren in diesen Blättern Schwarz-Weiß, dunkle Erdtöne und klar abgegrenzte Kissenformen, die im Zentrum des Blattes platziert werden. In den 1970er Jahren wendet sich Graubner dem Vernis mou zu. In Auseinandersetzung mit dem Akt schafft er monochrome Abdrücke von seinem Bauch, seinen Händen und Füßen. Er widmet sich damit sowohl motivisch, als auch auf der Materialebene über die dünnen, fast transparenten Papiere dem Thema Haut und Organismus.
In den 1980er Jahren dies ist ein neuer Aspekt seines Schaffens nehmen häufig Papierfaser und radierte Linie einen spielerischen Dialog auf. Seit den 1990er Jahren nähern sich die großformatigen Monoprints und Monotypien seiner Malerei an. Strahlend helle Leuchtfarben ergänzen seit 2000 sein Farbrepertoire.
Graubner, der von 1947 an die Hochschule für Bildende Künste in Berlin und die Dresdner Kunstakademie besuchte, verließ 1954 die DDR und ging an die Düsseldorfer Kunstakademie. Im Jahr 1969 wurde er als ordentlicher Professor an die Hochschule für Bildende Künste Hamburg berufen, 1976 übernahem er einen Lehrstuhl für Freie Malerei an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf.
Die Ausstellung gibt Einblick in einen noch wenig bekannten, gleichwohl äußerst bedeutenden Teil des künstlerischen Werkes von Gotthard Graubner. Es erscheint ein Katalog (Kehrer Verlag) mit Beiträgen von Dorit Schäfer und Nina Trauth, der den gesamten Bestand der Druckgrafik Gotthard Graubners in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe erschließt.
Dr. Kirsten Claudia Voigt
12.04. - 28.09. 2008 im Kindermuseum
Körper gewickelt, gegossen, geschweißt
Der menschliche Körper ist eines der zentralen Motive der Bildhauerei. Seine Gestalt, Dynamik und Ausdruckkraft regten Künstler zu immer neuen Darstellungen an. Im 20. Jahrhundert bricht sich ein freierer Umgang mit dem Motiv bahn, indem Künstler Körperformen immer weiter abstrahierten, verdichteten und sich auf bestimmte Teilaspekte der menschlichen Figur konzentrierten. Der Torso wird zum beispielhaften Ausdrucksmittel dieser neuen Freiheit. Außerdem steigerte sich das Interesse vieler Künstler am Material. Sie erhoben es vom bloßen Bildträger zum Ausdrucksmittel. Neben traditionellen Materialien wie Ton, Bronze, Holz oder Stein fanden dabei auch Textilien oder Alltagsgegenstände Verwendung.
In der neuen Ausstellung treffen die jungen Besucher auf Skulpturen, die sich alle mit dem Körper, der menschlichen Figur auseinandersetzen, sehr reduziert und abstrakt oder ansatzweise noch abbildhaft. Unterschiedliche künstlerische Auffassungen laden dazu ein, sich selbst in Beziehung zum Ausgestellten zu setzen, sich und seinen Körper im Raum wahrzunehmen und zu erleben. Körper als Bronzetorso, klar erkennbar, die Oberfläche lebendig gearbeitet, rissig, wulstig, glatt. Daneben aus Terracotta geformte, sehr zart und zerbrechlich wirkende Gebilde, die an abgestreifte Körperhüllen erinnern. In ihrer Wirkung und ihren Ausmaßen ungleich gewaltiger lässt eine "Winkelform" aus rostigem Metall und Holz nur noch entfernt an eine menschliche Figur denken. Balance, Kraft oder Haltung sind nur einige Dinge, die sich einem bei der Betrachtung vermitteln. Bilder oder Spuren verschiedener Bewegungsabläufe oder gar tänzerische Choreographien lassen eine Skulptur aus schwarzem Vierkantstahl entstehen.
Kinder begegnen der Welt mit großer Offenheit und reagieren so auch auf abstrakte Kunst spontan und assoziativ, für Erwachsene in einer oft sehr faszinierenden und überraschenden Weise.
Diese Ausstellung gibt vielfältige Möglichkeiten für ganzheitliches Lernen. Das Begreifen dreidimensionaler Kunstwerke fordert stark die aktive Betrachtung, wie den Einsatz des eigenen Körpers und seine Beziehung zu dem ihn umgebenden Raum verschiedene Haltungen und Bewegungen erproben, sich selbst in der Interaktion mit anderen erleben, Bewegungsabläufe und kleine Tanzchoreographien erarbeiten, sein Gegenüber zu einer Skulptur "formen", diese skizzieren oder photographisch festhalten.
Haptische Bedürfnisse werden in einem Areal, das verschiedene Materialien zum Anfassen anbietet, befriedigt. Ganz nebenbei wird so die kindliche Kreativität für die Umsetzung eigener Ideen angeregt. Dreidimensionale Umsetzungsmöglichkeiten mit Materialien wie Papier, Pappe, Metall, Draht, Holz, Ton und ähnlichem ergänzen das Angebot.
Der Besuch der Ausstellung ist für Kinder ab 5 Jahren geeignet und dauert zirka zwei bis drei Stunden. Kosten 3,- Euro .
Eröffnung: Freitag, 11. April, 16 Uhr im Kindermuseum, Hauptgebäude.
25.04. - 02.08.2008Katharina Hinsberg
binnen
Aus der Höhe des Raumes fallen leichte, rote Streifen aus Papier: binnen 100 Tagen, täglich 100 Minuten, jeder 100 x 1 cm groß.
"Forum Rotunde" in der Orangerie
Seit Mitte der 1990er Jahre untersucht Katharina Hinsberg in ihrer Arbeit die Grund-bedingungen der Zeichnung und führt dabei das Medium in neue Bereiche. Nicht nur das Aufbringen von Linien auf Papier, sondern auch das Ritzen, Schneiden, Falten und Stanzen des Papiers gehört zu ihrem Begriff von Zeichnung; durch das Hängen von Papier- oder Stoffstreifen im Raum überführt sie das Medium in einen installativen Zusammenhang. Dabei verbindet sich ihre konzeptuelle Vorgehensweise mit einer poetischen Wahrnehmung der Welt.
Für die Reihe "Forum Rotunde" in der Orangerie entwarf die Künstlerin ein Zeichnungsprojekt, in dem nicht die Fläche des Papiers oder die Eigenschaften der Linie, sondern Zeit, Raum und Bewegung die wesentlichen Koordinaten der Arbeit dar-stellen.
Die konzeptuellen Parameter des Geschehens werden im Untertitel des Projektes genannt: Binnen 100 Tagen werden jeweils 100 leuchtend orangefarbene Seidenpapierstreifen von jeweils 100 cm Länge in 100 Minuten aus einer Luke im Glasdach der Kuppel in die Rotunde fallen. Täglich von 13.20 Uhr bis 15 Uhr lässt sich diese temporäre Raum-Zeichnung verfolgen.
Dabei nimmt das orangefarbene Papier Bezug auf den Ort, die Orangerie, die ursprünglich saisonal empfindliche Pflanzen beherbergte. Auch in der Zahl von 10.000
Streifen, die insgesamt die Zeichnung ausmachen, bezieht sich Katharina Hinsberg auf den Ausstellungsort: Markgräfin Caroline Luise hatte den Plan gefasst, in einem 10.000 Kupferstiche umfassenden botanischen Nachschlagewerk die Welt derPflanzen zu verzeichnen. Diesen Plan konnte die Markgräfin nie ganz verwirklichen. Nur 581 Kupferstiche wurden ausgeführt.
In ihrem streng im Dezimalsystem angelegten Konzept folgt Katharina Hinsberg dieser taxonomischen Maßgabe der Markgräfin. Gleichzeitig konterkariert das Erscheinungsbild der Arbeit dieses strenge Ordnungssystem. Schließlich entwickelt jeder Streifen abhängig von seiner spezifischen Substanz und der jeweiligen Luftbewegung seinen eigenen Linienweg im Raum. Die Künstlerin äußert zu ihrem Projekt:
"Je länger diese Streifen ðausfallenÐ, desto deutlicher zeichnen sie, schlingernde Linien, deren Fallen oder Fließen eine Dauer hat und mit den Augen verfolgt werden kann. Zeichnen zeigt sich als räumliches Verfahren, zwischen Boden und Oberlicht. Das Papier zeigt sich anders, aber auch der Raum: in den Dimensionen einer Fallhöhe, die auch ein Zeitraum sind, Augenblicke, folgend, möglicherweise auf- und abwartend, zählend."
Schließlich fallen die Streifen auf den Sandsteinboden und fügen sich dort zu einer anderen Zeichnung, einer Linienskulptur zusammen: "Die Streifen fallen und legen sich zufällig in Schleifen (Intensitäten) auf den Boden, zunächst vereinzelt, zunehmend sich überlagernd, dann häufiger, zuhauf, Grund und Muster, häufend," wie Katharina Hinsberg schreibt.
Das Projekt "binnen" ist geprägt von der für die Arbeit von Katharina Hinsberg charakteristischen Verbindung von Gegensätzen wie Ruhe und Bewegung, Reduktion und Fülle, Flüchtigkeit und Dauer. Bis zum 2. August 2008 ist dies in der Rotunde der Orangerie zu beobachten.
Eröffnung: Freitag, den 25. April 2008, 19 Uhr