german galleries / index cities / index galleries / index artists / index Bremen
GAKGesellschaft für Aktuelle Kunst e.V.
Teerhof 21 (Weserburg)
28199 Bremen
Tel. 0421 - 50 08 97; Fax 0421 - 59 33 37
GAK-Bremen@t-online.de
Di - So 11 - 18 Uhr, Do bis 21 Uhr, Mo geschlossen
http://www.gak-bremen.de
aktuelle Ausstellung / current exhibition
vorausgegangene Ausstellung / previous exhibition
13.09. - 26.10.2003
niemand ist eine insel / no man is an islandSechzehn kooperative Kunstprojekte in Bremen
16 kooperative Kunstprojekte in Bremen mit Jeremy Deller, Ayse Erkmen, Peter Friedl, Rainer Ganahl, Korpys/Löffler, Rupprecht Matthies, Wolfgang Michael, Tracy Mackenna und Edwin Janssen, N55, Sander / Claassen-Schmal, Bob & Roberta Smith, Superflex, Silke Thoss, Silke Wagner, Elin Wikström und Rémy Zaugg
Kuratoren:
Eva Schmidt und Horst GrieseVeranstalter:
Gesellschaft für Aktuelle Kunst, Bremen
Lichthaus Plus Neue Kunst, BremenGefördert durch:
die Kulturstiftung der Bundes
die Stiftung Kunstfonds zur Förderung der zeitgenössischen bildenden Kunst, Bonn
den Senator für Inneres, Kultur und Sport, BremenSchirmherr: Uwe A. Nullmeyer, Handelskammer
Kooperatives, interdisziplinäres Miteinander ist eine Arbeitsform, die bisher eher in den kreativen Bereichen von Wissenschaft und Wirtschaft, von sozialem Engagement und Gestaltung des Zusammenlebens vorstellbar war als in der Kunst. Als konstruktives Element hat sich jedoch eine solche - für Entwicklungen offene - Haltung in den letzten Jahren zunehmend in der bildenden Kunst weiterentwickelt. Dominierte früher die auf eine Person bezogene Autorenschaft, gewinnt nun eine Kunst an Bedeutung, die sich in kooperativen und arbeitsteiligen Projekten materialisiert. Hier kann die Kunst eine Reihe von spezifischen Qualitäten in kooperative Projekte einbringen, vor allem die Fähigkeit, grundsätzliche Fragen zu stellen und allzu pragmatische Problemlösungsmodelle zu ersetzen durch offene Prozesse. Diese Praxis widerspricht der Vorstellung, die in der Öffentlichkeit zumeist von "dem Künstler" vermittelt wird - dem Bild einer begnadeten Ausnahmeerscheinung.
Diese Arbeitsweise verändert auch den Werkbegriff der Kunst. Kunst betont nun das Diskursive und orientiert sich an gesellschaftlich relevanten Fragestellungen. Das Werk ist nicht mehr eine endgültige Form, sondern gestaltet sich offen und prozesshaft. Mehr noch - in einigen Fällen ist die Kommunikation selbst das Werk.
Dieser wichtigen Tendenz in der aktuellen Kunst soll mit Niemand ist eine Insel nachgespürt werden. Exemplarische, in kooperativen Arbeitsformen verlaufende Projekte und thematische Orientierungen werden einen Ausschnitt aus der Bandbreite möglicher Optionen zeigen.
Niemand ist eine Insel bildet den Rahmen für sechzehn kooperative Kunstprojekte. Kooperativ soll heißen, sie basieren auf der Zusammenarbeit zwischen Institutionen, aktiv interessierten Menschen, Sozial- oder Bildungseinrichtungen und natürlich - den Künstlern. Oder andersherum: die in dieser Veranstaltung engagierten Künstler beziehen die Bürgerinnen und Bürger in ihre Konzepte und Überlegungen von Beginn an als handelnde Subjekte mit ein. So entwickeln sich Kunstprojekte für und mit den Bewohnern der Stadt. Sie reflektieren die regionale Geschichte, jüngste Entwicklungen und aktuelle Problemstellungen. Dabei wird der urbane Raum, in dem Ergebnisse dieser Projekte vorgestellt werden, als eine Schnittmenge vielfältiger Einzel- und Gruppeninteressen verstanden und behandelt. Und das schließt auch die Konflikte mit ein, die die divergierenden Interessen zwangsläufig mit sich bringen. Erst durch diese Divergenzen entsteht eine Lebendigkeit, die wir auch als eine urbane Qualität empfinden.
Konkrete Ergebnisse wie zeitliche Abläufe von Kooperationen sind nicht nur von einer Idee, sondern auch von den konkreten Bedingungen der Zusammenarbeit und dem Engagement aller Beteiligten abhängig. Deshalb lassen sich weder künstlerische Form noch zeitliche Dauer dieser experimentellen und diskursiven Vorhaben genau vorhersagen. Es erscheint daher notwendig, den Rahmen in dem diese Kunst präsentiert wird, neu zu bestimmen. Wurden ähnliche Projekte zumeist in den überlieferten Formen und Rhythmen der für den Kunstbetrieb typischen Räume, Zeiten und allgemeinen Erfordernissen gezeigt, so erscheint hier die Erprobung anderer Präsentations- und Vermittlungsformen als eine sinnvolle Alternative.
Folglich ist Niemand ist eine Insel keine Ausstellung herkömmlicher Art, sondern definiert Modi, Zeiträume und Orte, die Einsichten in einen Werkprozeß ermöglichen sollen. Sie ist also vielmehr Folge der jeweils besonderen Erfordernisse der Produktion der Kunstprojekte. Der Anfang oder das Ende eines - vom Zusammenspiel vieler Faktoren und Menschen abhängigen - Projektes kann und muß nicht unbedingt mit der festgesetzten Dauer einer Ausstellung übereinstimmen. Unerwartete Wendungen und Erweiterungen als auch ein über die Zeitdauer der Ausstellung hinausgehendes künstlerisches Engagement sind erwünscht. Umgekehrt sind ebenso auch kürzere Präsentationszeiten einzelner Projekte denkbar.
Niemand ist eine Insel wird vom 13.9. - 26.10.2003 Kunstprojekte an sehr unterschiedlichen Orten und zu unterschiedlichen Zeiten im öffentlichen Innen- und Außenräumen Bremens präsentieren. Ein Informations- und Dokumentationszentrum für die Projekte wird in den Räumen der GAK eingerichtet.
Über die weitere Entwicklung werden wir regelmäßig unter www.niemand-ist-eine-insel.de berichten. Dort können auch für diesen Zusammenhang wichtige Künstlerwebsites und ein Archiv zum Thema besucht werden. Bis zum Beginn des Projektes im September informiert ein Newsletter in regelmäßigen Abständen über den Fortgang der Projekte. Er kann kostenfrei über das Informationsbüro bezogen werden.
Der Veranstaltungstitel Niemand ist eine Insel (original: No man is an island) entstammt dem Werk von John Donne (1572-1631). Der Zeitgenosse Shakespeares, Poet, Theologe, Weltreisender und Dekan der St. Pauls Kathedrale in London verfaßte leidenschaftliche und bilderreiche Liebesgedichte, religiöse Lyrik und Predigten. Er gilt als Hauptvertreter der britischen Metaphysical Poets.
Mit Niemand ist eine Insel soll eine Ausstellungspraxis fortgesetzt werden, die von den Kuratoren mit Do All Oceans Have Walls? 1998 begonnen wurde und die zwanzig Projekte im Bremer Stadtraum initiierte. Ein Katalog zu dieser Ausstellung ist bei der Gesellschaft für Aktuelle Kunst erhältlich.
Mittwoch 15.10.2003 um 20 Uhr, Bleikeller, Am Dom
Korpys/Löffler - Etagentraum
Das Projekt von Korpys/Löffler verknüpft die Geschichten um die Hinrichtung der Bremer Serienmörderin Gesche Gottfried 1831 mit dem Vater-Sohn-Konflikt von Sigmund Freud und Carl Gustav Jung während eines gemeinsamen Besuches in Bremen 1909. Die Domgemeinde veranstaltet dazu eine Lesung von verschiedenen Quellentexten.
Sonnabend 18.10.2003 um 17 Uhr, Lichthaus, Use Akschen 4
Sander / Claassen-Schmal - Die G-Jacke
Sander / Claassen-Schmal haben mittels eines Fragebogens die Nutzungsgewohnheiten und ästhetischen Ansprüche der Bewohner des Stadtteils Gröpelingen ermittelt. Am Ende des Langzeitprojekts im nächsten Jahr wird die Produktion einer Jacke stehen. Die Veranstaltung stellt das Projekt und die Ergebnisse der Fragebogenaktion in einer interaktiven Installation vor.
English
Events within the framework of No Man Is an Island -
Sixteen cooperative art projects in Bremen, September 13 to October 26Oct. 15, 8 pm
Bleikeller, Am Dom (Lead Cellar, St. Petri Dom)Korpys/Löffler - Etagentraum
The project by Korpys Löffler links the story revolving around the 1831 execution of Bremen,s serial killer Gesche Gottfried with that of the father-son conflict that erupted between Sigmund Freud and Carl Gustav Jung during a joint visit to Bremen in 1909. The Dom congregation will present a reading of various related historical texts.
Oct. 18, 5 pm
Lichthaus, Use Akschen 4Sander / Claassen-Schmal - Die G-Jacke (The G Jacket)
With the aid of a questionnaire, Sander / Claassen-Schmal carried out a survey of the utilisation behaviour and aesthetic preferences of the residents of the Gröpelingen district. Next year, the long-term project will conclude with the production of a jacket. The event on October 18 in the Lichthaus will serve to present the project and the results of the survey in an interactive installation.
Projektvorstellung am Dienstag, den 7. Oktober um 19.30 Uhr in der Kunsthalle Bremen
Wolfgang Michaeldub
Was ist ein Museum? Man kann darüber historische Abhandlungen schreiben oder aber, wie es Wolfgang Michael tut, mittels einer Intervention in dem Deutschrömer-Saal, Raum Nr. 13 der Kunsthalle, eine neue Situation schaffen, die ein Spektrum von sich überkreuzenden Aussagen produziert und neue Blicke eröffnet.
Was passiert, wenn man Werke herausnimmt, Dinge hinzufügt, den Blick auf das Sekundäre rückt, die Öffnung zur Straße hin aktualisiert?
In Zusammenarbeit mit Marion Bertram, Arnold Böcklin, Manfred Holtfrerich, Michael Rieken, Reiner Ruthenbeck.
15.11.2003 - 11.01.2004
Rainer GanahlKeramiken, Videos, Fotos, Zeichnungen