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Kunstmuseum Heidenheim
Marienstr. 4
89518 Heidenheim
Tel. 07321 - 32 73 92 oder 32 73 93
Fax 07321 - 32 76 89
di - Sa 10 - 12 Uhr und 14 - 17 Uhr, So 10 - 17 Uhr
aktuelle Ausstellung / current exhibition
vorausgegangene Ausstellung / previous exhibition
Werk 97
Bildhauersymposion Heidenheim
Die Grundidee des Bildhauersymposions Heidenheim bestand darin - vollkommen privat organisiert und finanziert-, Künstlern vor Ort in einem modernen Betrieb die Möglichkeit zu geben, anspruchsvolle Werke für den öffentlichen Raum zu schaffen. Insbesondere Werke, welche sowohl in den Dimensionen als auch in der technischen Realisierbarkeit die üblichen Möglichkeiten des eigenen Ateliers sprengen. Hierzu stellten fünf Heidenheimer Firmen Arbeitsplätze, Material und Know how in fünf unterschiedlichen Materialbereichen zur Verfügung: Die Firma Carl Edelmann für Karton und Kartonverpackungen (Rolf Bier); die Baufirma Ernst Mattern für Beton (Ingo Vetter); die Firma C. E Ploucquet für Textilien (Andrea Ostermeyer); die Voith Unternehmensgruppe für Stahl (Denis Pondruel) und die Holzwerke Ziegler für Holz (Russell Maltz).
Die Auswahl der Künstler erfolgte in einem Einladungswettbewerb, zu dem Prof. Dr. Harald Szeemann (Kunsthaus Zürich), Prof. Dr. Jean-Christophe Ammann (Museum for Moderne Kunst, Frankfurt), Martijn van Nieuwenhuyzen (Stedelijk Museum, Amsterdam) sowie der Verein selbst Künstler vorschlugen. Aus deren eingereichten Projekten wählte schließlich eine Jury, bestehend aus Dr. Karin Frank von Maur (Staatsgalerie Stuttgart), Prof. Dr. Frank-Gonter Zehnder (Rheinisches Landesmuseum, Bonn) und Ellen Seifermann (Kunstverein Heilbronn), die Gewinner aus.
Das Bildhauersymposion Heidenheim wird in den nächsten Jahren in ähnlicher Form fortgesetzt.
Bei der Textilfirma C. F. Ploucquet ließ Andrea Ostermeyer aus Köln ihre großformatige Plastik "sleeping on your site I" herstellen. Sie besteht aus einem Material, das sich weder für Skulpturen noch für den Einsatz im Freien zu eignen scheint: Stoff. Dieses Material, in das sich üblicherweise Menschen hüllen, benutzte die Künstlerin zur Verkleidung einer kahlen Hauswand. Durch das farbige, zu weichen Flächen aufgepolsterte Material wird die triste Betonwand optisch aufgewertet und die Erinnerung an eine alte, fast vergessene Verwendungsweise von Stoff wachgerufen: seine Funktion als Wandverkleidung. Zugleich löst der Gegensatz von Betonwand und Textilverkleidung ein reizvolles Spiel gegensätzlicher Wahrnehmungen und Assoziationen aus: Hart und Weich, Anorganisch und Organisch, Schmücken und Verdecken, Innen und Außen, Vergänglichkeit und Dauer werden wahrnehmbar, ja geradezu körperlich spürbar.
Zusammen mit dem Bauunternehmen Mattern realisierte Ingo Vetter aus Berlin eine etwa zwei Meter hohe, breite und tiefe Beton- und Stahlskulptur. Sie bezieht sich auf das Rathaus, vor dem sie aufgestellt ist. In ihrer Materialität, ihrer Grundstruktur und Ihren Binnenformen nimmt sie die Architektur dieses öffentlichen Gebäudes auf und spielt mit Assoziationen, die sich auf die Funktion des Rathauses beziehen: unterschiedliche Fächerstrukturen aus Stahl erinnern an Vorlagemappen, Ordner, Stempelkarten oder Prospekthalter. Zugleich bewegt sich die Skulptur in ihrer Größe und Anlage auf der Grenze zwischen Architekturmodell, autonomer monumentaler Form und Labyrinth.
In den Lehrwerkstätten der Voith Unternehmensgruppe entstand Denis Pondrzels Stahlplastik. Der Pariser Künstler bringt darin zwei gleichermaßen alltägliche wie skulpturale Elemente - Raum und Stuhl - in einen (im Wortsinn) "verrückten" Zusammenhang. Ein monumentaler Stahlquader beherbergt in seinem Inneren einen kleinen, unzugänglichen Raum, der nur durch schmale Ausschnitte von außen wahrnehmbar ist. Durch diese Ausschnitte bewegt sich ein Stuhl, der an einer langen Stange außerhalb des Quaders befestigt ist Von einem Elektromotor angetrieben, bewegt sich der Stuhl zu jeder vollen Stunde in Schwüngen bzw. Kreisen durch den Quader und den unzugänglichen Raum in senem Inneren. Außen und Innen, Raum und Volumen, Statik und Dynamik, Linie und Fläche usw. werden so systematisch verkehrt und damit poetisch verwandelt.
Bei den Holzwerken Ziegler verwirklichte Russel Maltz aus New York sein mehrteiliges Skulpturenprojekt. Unterschiedlich geschnittene und geschichtete Holzstapel bemalte er monochrom mit Farbe und stellte sie an vier verschiedenen Orten in Heidenheim auf. Die knallrote Farbe aktiviert das bodenständige Material Holz und verleiht ihm Signalwirkung. An unterschiedlichen Plätzen aufgestellt, legen sich die Skulpturen wie ein Netz über das Stadtbild. Zugleich werden die einzelnen Holzstapel durch die Bemalung zu Objekten, die sich auf der Grenze zwischen Bild und Skulptur bewegen und damit die traditionellen Gattungsgrenzen sprengen.
Bei der Firma Carl Edelmann, einem Hersteller von Kartonverpackungen, realisierte Rolf Bier (Hannover) seine dreiteilige Skulptur "Universalie". Sie hat das T-Shirt zum Motiv und Gegenstand. Der Titel spielt auf die weltweite Verbreitung dieses modernen Kleidungsstücks an, während die Form des T-Shirts auf den menschlichen Körper verweist, welcher ein traditionelles Thema der Bildhauerei ist. Sein flächiges Ausgangsmaterial Karton bzw. Papier verwandelte Rolf Bier in drei Skulpturen, indem er es in eine große monumentale Form preßte ("Universalie I" am Bahnhof), aus gestanzten Kartonformen zu einer Barriere schichtete ("Universalie II" im Foyer des Kunstmuseums) und als 53 000 (dies entspricht der Einwohnerzahl Heidenheims) kleine Papier-T-Shirts aus Flugzeugen über der Stadt abwerfen ließ. Spektakuläres, Ortsspezifisches, Zeittypisches, Alltägliches und spezifisch skulpturale Fragestellungen greifen hier in komplexer Weise ineinander.
Bildhauersymposion Heidenheim e.V
Wilfried Wörner
Felsenstrasse 32
89518 Heidenheim
Telefon 07321985514
Telefax 07321 985525
Die Initiatoren des BILDHAUER SYMPOSION HEIDENHEIM laden Sie herzlich ein zu unserem vierten Jour-fixe am
Mittwoch, 02. Dezember 1998,19:00 Uhr im Kunstmuseum Heidenheim.
Bei diesem Anlaß werden wir Ihnen den Katalog zu unserem ersten Symposion vorstellen können und mit Ihnen einen gemeinsamen Blick auf das "Werk 97" werfen.
Rückblick, aber auch Ausblick, gemeinsam mit einem interessanten Podium. Wir werden als Teilnehmer begrüßen:
Rudij Bergmann, TV-Filmemacher und Kunstkritiker
Dr. Manfred Allenhöfer, Redaktionsleiter Heidenheimer Neue Presse
Norbert Pfisterer, Redaktionsleiter Heidenheimer Zeitung
Dr. Rene Hirner, Leiter Kunstmuseum Heidenheim
Moderation: Gabriele Rogowski
Gäste sind auch Künstler unseres Symposions, so haben wir feste Zusagen von
Andrea Ostermeyer, Rolf Bier und Denis Pondruel.
Wir freuen uns, Sie zu diesem Abschluß unseres ersten Symposions begrüßen zu dürfen.