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Pinakothek der Moderne
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80333 München
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13.11. - 08.02. 2009
Young-Jae Lee
Spindelvasen
Nach ihrer Aufsehen erregenden Installation von 1111 Schalen in der Rotunde der Pinakothek der Moderne im Herbst 2006 stellt die koreanische Töpferin Young-Jae Lee hier ein weiteres Mal aus:
Wiederum handelt es sich um die Variation einer einzigen Gestaltungsform, dieses Mal der einer Spindelvase. Aus den 54 Einzelstücken entwickelte Young-Jae Lee speziell für die Rotunde der Pinakothek der Moderne eine minimalistisch-konzeptuelle zahlenmagische Raumsinstallation.
Mit der Spindelvase greift die Töpferin, die seit dreißig Jahren in Deutschland lebt und arbeitet, zurück auf eine traditionelle Gefäßform des alten Korea. Dabei werden zwei getrennt geformte Schalen wie bei dem Zusammenlegen geöffneter Handflächen miteinander verbunden, um so zu einer spindelförmigen Kontur zu gelangen und einen geschlossenen Hohlraum zu erzeugen.
Mit dem Rückblick auf die Tradition verbindet Young-Jae Lee die Suche nach Harmonie in der Vereinigung zweier Schalen, die Annäherung an pure Schönheit in Farbe und Form. Unter ihren Händen gewinnt die Gestalt der einstigen Vorratsgefäße, dem so genannten »Mondtopf« die Kraft einer Skulptur, die Individualität eines Meisterwerks.
Kein Stück gleicht dem anderen. Dennoch bestehen große Ähnlichkeiten zwischen den Gefäßen, die von Young-Jae Lee als Serien in einem begrenzten Zeitraum geschaffen werden. In dieser Serialität im Werk der koreanischen Töpferin offenbart sich geradezu eine erkundende meditative Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten und Grenzen des Mediums Ton.
Jedes Exemplar einer Spindelvase fertigt Joung-Jae Lee als Doppelkeramik an: Die beiden getrennt getöpferten Hälften, die weit geöffneten Schalen gleichen, fügt die Künstlerin im Zustand des angetrockneten Tons zusammen. Dabei muss sie die zueinander umgekehrten Hälften nochmals aufrauen um die beiden Schalen an ihrem Fuß zusammenzufügen. Zusätzlich muss der Fuß der Schale, die zur oberen Vasenhälfte werden soll durchbrochen und zur Öffnung erweitert werden. Die auf diese Weise entstandene Doppelvase gleicht der Form einer Spindel. Um die passgenaue Zusammenfügung zweier Schalen zu einer Spindelvase zu gewährleisten, müssen je zwei Schalen mit gleichem Öffnungsdurchmesser sowie annähernd gleicher Höhe und Schwellung hergestellt werden.
Auf dem zweiten Blick lassen sich dann auch kleine Spuren des sanften Händedrucks der Keramikmeisterin an den Gefäßen erkennen, mit dem sie die beiden Hälften der Spindelvasen zu einem Ganzen zusammenfügte.
Die einzelnen Spindelvasen in dieser synchronen Serie unterscheiden sich beträchtlich in Höhe, Breite und Durchmesser und machen das einzelne Gefäß zu einem Original.
Bei den Glasuren setzt Young-Jae Lee einerseits die traditionelle koreanische Ästhetik fort, andererseits kreiert sie jedoch ihre individuelle Farbenvielfalt.
Die Farbpalette ihrer Spindelvasen reicht von heller schimmernder Rohseide bis hin zu einem blaugrün irisierendem Wasserton und Altrosa, meist transparent glasiert. Kleine Flecken scheinen auf den eleganten Körpern der Vasen zu tanzen und lockern die Strenge der Fläche auf. In der klaren unverfälschten Formgebung der Spindelvasen offenbart sich der direkte und offene Charakter der Künstlerin selbst.
Aus dieser Werkserie der Spindelvasen wählte Young-Jae Lee eine Gruppe von 54 Exemplaren aus, die in Größe, Farbgebung sowie Form und Zahlenfolge speziell für die Ausstellung in der Pinakothek der Moderne geschaffen erscheinen.
In dem kreisrunden Ausstellungsraum des 2. Obergeschosses der Rotunde teilte die Künstlerin die Anzahl der Spindelvasen auf zwei Hälften, in 27 Einzelstücke, die sich wie die beiden Formteile des Gefäßes zu einer Raum füllenden Großskulptur aus Doppelvasenhälften wieder vereinigen.
Die Koreanerin Young-Jae Lee lebt und arbeitet seit 30 Jahren in Deutschland. Ihr bereits mehrfach ausgezeichnetes Werk darunter zweimal mit dem Bayerischen Staatspreis ist bestimmt von der Auseinandersetzung mit den Traditionen des koreanischen Töpferhandwerks und der westlichen Kunst im 20. und 21. Jahrhundert. In ihm begegnen sich östliche und westliche Lebensweise und Philosophie, Tradition und Moderne sowie Individuum und Gruppe.
Anlässlich der Ausstellung erscheint die Publikation
»Young-Jae Lee Spindelvasen«, Hrsg. Reinhold Baumstark,
mit Beiträgen des Philosophen der LMU München Günter Zöller
sowie der Kennerin der ostasiatischen Kunstgeschichte
Jeong-Hee Lee Kalisch von der Freien Universität Berlin und
zahlreichen Fotografien von Haydar Koyupinar.64 Seiten, 87 farbige Abbildungen, ISBN 978-3-9811414-1-2
Preis 22 Euro.
Pressekonferenz: 12.11.08, 11.00
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