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Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig
Karl-Tauchnitz-Str. 11
04107 Leipzig
Tel. 0341 - 14 08 10; Fax 0341 - 140 81 11
office@gfzk.de
Di - So 12 - 19 Uhr
Führungen So 15 Uhr und nach Vereinbarung
www.gfzk.de
aktuelle Ausstellung / current exhibition
vorausgegangene Ausstellung / previous exhibition
20.10. 2007 - 23.01. 2007
Joachim Brohm
Ohio
mit einem Insert von Peter Piller
Joachim Brohm zeigt im Rahmen seiner Einzelausstellung eine Auswahl aus
verschiedenen Serien: das "Ruhrgebiet", das "Areal" in München, das
Projekt "fahren" (Ravensburg) und "Ohio". Ferner werden in der
Ausstellung die "Ruhrgebietszeichnungen" von Peter Piller vorgestellt.Joachim Brohm fotografierte in den 1980er Jahren in Ohio (USA) und im
Ruhrgebiet. 1990 hielt er sich anlässlich eines Arbeitsstipendiums in
Berlin auf und ging den Spuren der Wende nach. Zwischen 1992 und 2002
unternahm Brohm ein foto-urbanistisches Projekt mit Langzeitbeobachtung
in München: Er fotografierte das "Areal", ein am Rande der Stadt
gelegenes Industriegelände der Firma Raab Karcher. Auch hier gilt das
Interesse den gesellschaftlichen Transformationen vom
Gewerbe-Industriepark der 1950er Jahre zu einem postindustriellen
Dienstleistungs- und Wohngebiet der Gegenwart. In Ravensburg beobachtete
er über ein Jahr lang die Peripherie der Kleinstadt aus dem Auto.Brohm nähert sich diesen Veränderungen fotografisch, verzichtet jedoch
auf jede bildliche Drastik und jeden moralischen Unterton. In allen
Projekten scheint es so, als hätte der Fotograf Umbruchssituationen
beobachtet, ohne sie zu bewerten, nicht mehr und nicht weniger. Die
"Ruhrgebietsbilder" sind unspektakulär und zeigen eine verhaltene
Aufbruchsstimmung. Dieser Eindruck ist präzisen fotografischen
Entscheidungen geschuldet: Der erhöhte Kamerastandpunkt erlaubt, einen
meist größeren Landschaftsausschnitt zu überblicken; die menschlichen
Figuren wirken wie Statisten eines Stückes, das noch geschrieben werden
muss. Das Areal-Gelände in München fotografierte Brohm, als die
gravierenden Transformationen bereits stattgefunden hatten, und er
beendete die Aufnahmen zu einem Zeitpunkt, an dem die Umstrukturierung
noch nicht völlig abgeschlossen war. Die Entscheidung, innerhalb dieses
Zeitraums zwischen spektakulärem Anfangs- und feierlich zelebriertem
(vorläufigem) Endpunkt zu fotografieren, passt zum Unspektakulären der
fotografischen Aufnahme, sowohl im Motiv als auch im Modus des
Fotografierens selbst. Draufsichten von höher gelegenen Gebäuden auf
tiefere, von oben nach unten, zum Boden hin, wechseln sich mit Ansichten
von der Begehung des Areals ab. Brohm folgt dabei dem Prozess der
Umgestaltung: Zu Beginn blickt er auf das Gelände, dann - während des
Abrisses - bleibt er ebenerdig, später - mit den neuen Gebäuden -
wandert der Blick wieder von oben nach unten. Nur einmal wird der Blick
nach oben, gegen den Himmel gerichtet. In Ravensburg umkreist Brohm
quasi die Stadt, bewegt sich auf der Straße und fotografiert aus dem
Auto heraus. Die Aufnahmen selbst scheinen austauschbar und allein der
Perspektive des Autofahrers geschuldet.All diese ökologischen, ökonomischen, kulturellen und sozialen Umbrüche
in Deutschland - sei es im Ruhrgebiet, in Berlin oder in München - haben
zu sichtbaren Veränderungen im Erscheinungsbild der Städte und
Landschaften, zu neuen Identitätsentwürfen, Blickweisen und
Einstellungen geführt. Brohm hält die Umbrüche fest und sensibilisiert
unsere Wahrnehmung für gesellschaftliche Transformationen, er
hinterfragt dabei jedoch gleichzeitig seine Rolle als Fotograf und sein
Verhältnis zur Realität. Fotografie wird dabei in ihrem
Selbstverständnis in Frage gestellt und als ein den Blick steuerndes und
interpretierendes Medium in den Blick genommen.Joachim Brohm (1955) lebt und arbeitet in Leipzig. Er studierte
Fotografie an der Folkwangschule/Universität Essen und an der Ohio State
University in Columbus/USA. Brohm ist seit 1993 Professor für Fotografie
und seit 2003 Rektor der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig.Zur Ausstellung erscheint ein Katalog beim Steidl Verlag in Kooperation
mit dem Josef Albers Museum, Bottrop. Gleichzeitig ist in der Galerie
Kicken Berlin eine Joachim-Brohm-Schau zu sehen.
Eröffnung: 19.10.2007, 19 Uhr
kuratiert von Barbara SteinerIn Zusammenarbeit mit der Hochschule für Grafik und Buchkunst/Peter Piller