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lothringer dreizehn
Ort für zeitgenössische Kunst / Space for Contemporary Art
Lothringer Straße 13
81667 München
Tel. 089 - 448 69 61, Fax 089 - 688 62 44
Di - So, 13 - 19 Uhr / Tue - Sun, 1 - 7 p.m.
info@lothringer-dreizehn.com
www.lothringer-dreizehn.com
lothringer13/program angels
mediale experimente
do - so 16 - 19 uhr / jetztredi - jour fix jeden monatsersten um 20 uhr
tel +49-89-45911905 / fax +49-1212-562849645
mailto:alle@programangels.org
www.programangels.org
aktuelle Ausstellung / current exhibition
vorausgegangene Ausstellung / previous exhibition
19.03. - 24.04. 2010
Für immer Dein.
Johannes Evers, Sandra Hauser, Anna Jermolaewa,
Leigh Ledare, Robert Melee, Björn Rodday, Anna Witt
In der Wahl seiner Eltern kann man nicht vorsichtig genug sein.
Paul WatzlawickIrgendwann sind wir erwachsen, und aus den Eltern werden seltsame Leute, denen man mit gemischten Gefühlen gegenübertritt: einer Haltung zwischen Vertrautheit und Fremdheit, Zuneigung und Distanzierung, Bewunderung und manchmal Verachtung. Wir sind auf dem Sprung, wollen Abstand gewinnen; und gleichzeitig ist da etwas, das uns festhält, weil wir in unseren Eltern wie durch einen Zerrspiegel etwas sehen, was uns erschreckend nahe geht: uns selbst.
Für immer Dein zeigt sieben deutsche und internationale Künstler, die das Verhältnis zu ihren Eltern zum Thema ihrer Arbeit machen: als metaphorische Abrechnung mit der Kindheit (Sandra Hauser), als Versuchsanordnung, die auf ironisch-ernste Weise den Rollentausch mit Vater und Mutter durchexerziert (Johannes Evers), als schonungslose, traurig-absurde Studie der alkoholkranken Mutter (Robert Melee), als seltsam intime Dreiecksbeziehung zwischen dem Sohn, seiner Mutter und ihren Liebhabern (Leigh Ledare), als Parabel über Fürsorge und Liebessehnsucht (Anna Jermolaewa), als Reinszenierung der eigenen Geburt (Anna Witt) und schließlich als berührende Dokumentation einer letzten Reise mit der Urne des Vaters (Björn Rodday).
Eine Ausstellung über Erziehen und Entziehen. Eine Abnabelschau.
Konzept: Verena Seibt, Christian Hartard
Eröffnung am Donnerstag, 18. März 2010, 19 Uhr
VERANSTALTUNGEN
Donnerstag, 18. März, 19 Uhr
EröffnungFreitag, 26. März, 19 Uhr
Vatertag: Richard von Schirach liest aus Der Schatten meines VatersBaldur von Schirach wurde 1946 im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu 20 Jahren Haft verurteilt. Sein Sohn Richard, 1942 geboren, kennt den Vater nur aus blassen Erinnerungen und aus über 1.000 Briefen, die Baldur von Schirach aus dem Gefängnis schreibt. Die ersehnte Entlassung des Vaters jedoch wird zur Enttäuschung: denn auf ein Einsehen, auf ein Zeichen der Reue, auf Erklärungen wartet der Sohn vergeblich. "Warum habt Ihr nichts getan?", will Richard wissen. "Vergiß nicht, ich habe einen Eid geleistet", entgegnet der Vater.
"Schirach formuliert weder Anklage noch Verteidigung, sondern geht einen Schritt zurück zu den Wurzeln des deutschen Dilemmas. Er möchte begreifen, wie sein Vater Baldur auf die Nürnberger Anklagebank geriet. Will herausfinden, warum der Reichsjugendführer und Gauleiter von Wien, der die Deportation von 185.000 Juden zu verantworten hatte, »die schlichte, bezwingende Wahrheit eines reumütigen Herzens« auf immer verweigert hat. Die Triebfeder jedoch ist ein Akt der Selbstaufklärung und -vergewisserung: Wer war ich, wer bin ich, und wie hängt beides zusammen?" (Die Zeit)
Sonntag, 28. März, 15 Uhr
Führung durch die AusstellungFreitag, 9. April, 19 Uhr
Stiefmuttertag: Astrid Brüggemann über Eltern im MärchenEs gibt im Märchen fast keine guten Eltern: meist sind sie enttäuschend, oft sogar lebensgefährlich. Vielleicht aber müssen sie das ja sein; denn sie fungieren nicht einfach als Gestalten der Alltagswelt, sondern als Chiffren für grundlegende Lebenserfahrungen: nicht nur für die Ablösung von Vater und Mutter, sondern weitergefasst auch für die Notwendigkeit schlechthin, das Vertrauen auf die Fürsorge der Außenwelt in eigenverantwortliches Selbst-Vertrauen umzumünzen.
Astrid Brüggemann ist Germanistin und Ethnologin. 2007 erhielt sie den Lutz-Röhrich-Preis der Märchen-Stiftung Walter Kahn.
Freitag, 16. April, 19 Uhr
Muttertag: Screening Der Busenfreund von Ulrich Seidl"Der Busenfreund porträtiert Rene Rupnik, einen fünfzigjährigen Mathematiklehrer, der bei seiner greisen Mutter lebt, umgeben von Schutzwällen an Müll, Papier und Zeitungen, die er in jahrzehntelanger Sammeltätigkeit angehäuft hat. In seiner Phantasie lebt der obsessive Busenexperte mit Senta Berger zusammen, die er seit Jahrzehnten verehrt. Er hat alle ihre Filme gesehen, alle ihre Fotos gesammelt. Nur einmal durfte er ihr begegnen: am Burgtheater, wo er 50 Mal zur Vorstellung ging. Mit seinem neuen Fernstecher am Stehplatz." (www.ulrichseidl.com )
Freitag, 23. April, 19 Uhr
Elternabend: Wir bitten Künstler und ihre Eltern zu TischSamstag, 24. April, 19 Uhr
Finissage
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